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von Sebastian Unbehauen

Mit Freude in der Parallelwelt

Regina Marquardt ist aus der Muswiesenwirtschaft Pressler nicht wegzudenken: Seit Jahrzenten bedient sie dort – und kennt ihre Gäste manchmal besser, als die denken.

„Mit seinen braunen Glubschaugen hat er über die Theke geschaut“, erinnert sich Regina Marquardt und lacht. „Er“, das ist Christoph Pressler, heute gestandener Muswiesenwirt. Er wurde in dem Jahr geboren, als Marquardt – die wir ab jetzt Regina nennen, denn beim Pressler duzt man sich oder bezahlt eine Runde Schnaps – anfing, auf der Muswiese zu arbeiten.

Als 19-Jährige kam die Gaggstatterin zu den Presslers, brutzelte im ersten Jahr Bratwürste in der Küche, stand im zweiten Jahr an der damals noch arg beengten Theke – und fing im dritten Jahr als Bedienung an, weil eine ältere Kollegin aufhörte. Heute, und das ist nicht despektierlich gemeint, gehört die 50-Jährige zum Inventar der Muswiesenwirtschaft. Man kann, man will sie sich nicht wegdenken.

Sie selbst will das übrigens auch nicht, denn sie freut sich jedes Jahr darauf, in die nach Sauerkraut duftende Parallelwelt einzutauchen: „Das darf dir keine Last sein, das musst du wollen.“ Wie sonst hätte Regina das so lange machen sollen – von früh bis spät, auch als ihre Kinder klein waren? In jungen Jahren ist sie nach der Schicht noch rausgegangen und hat bis spät in die Nacht gefeiert. Eine Sperrstunde gab es nicht. Heute findet die Muswiese für sie nur in der Wirtschaft statt – und morgens kurz am Schlebach-Stand, wo sich die Bedienungen mit ein paar Likörle fit für den Tag machen.

In all den Jahren ist sie nur einmal eine halbe Stunde tagsüber über den Jahrmarkt geschlendert. Sie kam bis auf die Höhe vom Uhl, wurde von irgendjemandem gefragt, ob es beim Pressler denn nichts zum Schaffen gebe und machte wieder kehrt.

Regina freut sich jedes Mal aufs Neue auf ihr „besonderes Leben“ für eineinhalb Wochen, auf die gute Gemeinschaft („Wir schaffen unter Stress alle miteinander – ohne Krach“), das leckere Schnitzel („Das kannst du auch zehn Tage hintereinander essen“) und, vor allem, auf die Gäste. Sie weiß ganz genau, wer wann zur Tür reinkommt. Sie kennt die Rituale. Und wenn die Küche mal zumachen will, aber einer fehlt, dann sagt Regina: „Halt, der kommt noch!“

Sie nimmt es sich auch heraus, sich mal kurz zu den Gästen dazuzusetzen. „Die Leute wollen, dass du sie nicht einfach abfertigst“, sagt sie. Und manchmal wollen sie ihre Lebensgeschichte erzählen. „Da erfährt man so manches.“ Wenn man dieselben Kameraden dann ein Jahr später darauf anspricht, fragen sie: „Woher weißt du das denn?“
Im normalen Leben ist Regina übrigens Gärtnerin, zuständig für die Pflege der Grünanlagen der Stadt Gerabronn. Für die Muswiese nimmt sie sich Urlaub. „Ich hatte immer verständnisvolle Chefs“, sagt sie. Als sie noch in Schrozberg arbeitete, war das Bürgermeister Klemens Izsak. „Frau Marquardt, was machen Sie, wenn ich Ihnen keinen Urlaub gebe?“, fragte er einmal. Ihre Antwort: „Erstens kündige ich dann, zweitens kriegen Sie beim Pressler kein Bier mehr.“

Ja, es stimmt, sie hat „a reechdi Gosch“, wie man so schön sagt. „Du musst schon Ellbogen haben und schlagfertig sein. Das lernst du hier“, sagt Regina. Wenn ihr einer dumm kommt, dann kommt sie ihm eben auch dumm. Aber in aller Regel geht’s einfach um das Gefrotzel, das dazugehört.

Eine eherne Regel gibt es bei der Bedienung mit Leib und Seele sowieso: „Jeder, der zum Pressler reinkommt, ist für mich gleich – egal, ob Politiker oder sonst was.“ Krumm genommen hat ihr das noch keiner, denn „hier drin sind alle ein bisschen lockerer.“

 

von Marie-Luise Landsberger

Mit Freude in der Parallelwelt

Regina Marquardt ist aus der Muswiesenwirtschaft Pressler nicht wegzudenken: Seit Jahrzenten bedient sie dort – und kennt ihre Gäste manchmal besser, als die denken.

„Mit seinen braunen Glubschaugen hat er über die Theke geschaut“, erinnert sich Regina Marquardt und lacht. „Er“, das ist Christoph Pressler, heute gestandener Muswiesenwirt. Er wurde in dem Jahr geboren, als Marquardt – die wir ab jetzt Regina nennen, denn beim Pressler duzt man sich oder bezahlt eine Runde Schnaps – anfing, auf der Muswiese zu arbeiten.

Als 19-Jährige kam die Gaggstatterin zu den Presslers, brutzelte im ersten Jahr Bratwürste in der Küche, stand im zweiten Jahr an der damals noch arg beengten Theke – und fing im dritten Jahr als Bedienung an, weil eine ältere Kollegin aufhörte. Heute, und das ist nicht despektierlich gemeint, gehört die 50-Jährige zum Inventar der Muswiesenwirtschaft. Man kann, man will sie sich nicht wegdenken.

Sie selbst will das übrigens auch nicht, denn sie freut sich jedes Jahr darauf, in die nach Sauerkraut duftende Parallelwelt einzutauchen: „Das darf dir keine Last sein, das musst du wollen.“ Wie sonst hätte Regina das 31 Jahre lang machen sollen – von früh bis spät, auch als ihre Kinder klein waren? In jungen Jahren ist sie nach der Schicht noch rausgegangen und hat bis spät in die Nacht gefeiert. Eine Sperrstunde gab es nicht. Heute findet die Muswiese für sie nur in der Wirtschaft statt – und morgens kurz am Schlebach-Stand, wo sich die Bedienungen mit ein paar Likörle fit für den Tag machen.

In all den Jahren ist sie nur einmal eine halbe Stunde tagsüber über den Jahrmarkt geschlendert. Sie kam bis auf die Höhe vom Uhl, wurde von irgendjemandem gefragt, ob es beim Pressler denn nichts zum Schaffen gebe und machte wieder kehrt.

Regina freut sich jedes Mal aufs Neue auf ihr „besonderes Leben“ für eineinhalb Wochen, auf die gute Gemeinschaft („Wir schaffen unter Stress alle miteinander – ohne Krach“), das leckere Schnitzel („Das kannst du auch zehn Tage hintereinander essen“) und, vor allem, auf die Gäste. Sie weiß ganz genau, wer wann zur Tür reinkommt. Sie kennt die Rituale. Und wenn die Küche mal zumachen will, aber einer fehlt, dann sagt Regina: „Halt, der kommt noch!“

Sie nimmt es sich auch heraus, sich mal kurz zu den Gästen dazuzusetzen. „Die Leute wollen, dass du sie nicht einfach abfertigst“, sagt sie. Und manchmal wollen sie ihre Lebensgeschichte erzählen. „Da erfährt man so manches.“ Wenn man dieselben Kameraden dann ein Jahr später darauf anspricht, fragen sie: „Woher weißt du das denn?“
Im normalen Leben ist Regina übrigens Gärtnerin, zuständig für die Pflege der Grünanlagen der Stadt Gerabronn. Für die Muswiese nimmt sie sich Urlaub. „Ich hatte immer verständnisvolle Chefs“, sagt sie. Als sie noch in Schrozberg arbeitete, war das Bürgermeister Klemens Izsak. „Frau Marquardt, was machen Sie, wenn ich Ihnen keinen Urlaub gebe?“, fragte er einmal. Ihre Antwort: „Erstens kündige ich dann, zweitens kriegen Sie beim Pressler kein Bier mehr.“

Ja, es stimmt, sie hat „a reechdi Gosch“, wie man so schön sagt. „Du musst schon Ellbogen haben und schlagfertig sein. Das lernst du hier“, sagt Regina. Wenn ihr einer dumm kommt, dann kommt sie ihm eben auch dumm. Aber in aller Regel geht’s einfach um das Gefrotzel, das dazugehört.

Eine eherne Regel gibt es bei der Bedienung mit Leib und Seele sowieso: „Jeder, der zum Pressler reinkommt, ist für mich gleich – egal, ob Politiker oder sonst was.“ Krumm genommen hat ihr das noch keiner, denn „hier drin sind alle ein bisschen lockerer.“

 

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